DE · de-DE · Aktualisiert am 23. September 2026 · 10 Min. Lesezeit

Spielsucht: Anzeichen erkennen, Hilfe finden

Laut Glücksspiel-Survey 2025 haben 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen in Deutschland eine glücksspielbezogene Störung, weitere 5,5 % spielen riskant. Hilfe ist kostenlos und auf Wunsch anonym, zum Beispiel bei der BIÖG-Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 (montags bis donnerstags 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags 10 bis 18 Uhr). Eine OASIS-Selbstsperre schließt Sie bei allen legalen Anbietern gleichzeitig aus.

Spielsucht beginnt selten mit einem großen Verlust. Meist wird das Spielen nach und nach wichtiger, die Einsätze steigen, und irgendwann dreht sich ein Teil des Alltags darum, Geld zurückzugewinnen. Diese Seite richtet sich an Menschen, die sich fragen, ob das bei ihnen so ist, und an Angehörige, die sich Sorgen machen. Sie verkauft nichts und verlinkt auf kein Casino.

Wie verbreitet Spielsucht in Deutschland ist

Die verlässlichsten Zahlen liefert der Glücksspiel-Survey, den das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg und die Universität Bremen alle zwei Jahre durchführen. Für die Ausgabe 2025 wurden von August bis November 2025 insgesamt 12.340 Menschen zwischen 16 und 70 Jahren befragt, telefonisch und online. Glücksspielprobleme wurden bei den 18- bis 70-Jährigen nach den Kriterien des DSM-5 erfasst, des internationalen Diagnosehandbuchs für psychische Störungen.

Ergebnis des Glücksspiel-Survey 2025Anteil
Haben in den letzten 12 Monaten um Geld gespielt36,4 %
Spielen mindestens einmal pro Woche11,7 %
Riskantes Spielverhalten (1 bis 3 DSM-5-Kriterien)5,5 %
Glücksspielbezogene Störung (4 oder mehr Kriterien)2,2 %
davon leicht / mittel / schwer0,9 % / 0,6 % / 0,6 %
Störung bei Männern / bei Frauen3,2 % / 1,1 %
Quelle: Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke: Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung, Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2025 (ISD Hamburg, März 2026). Der Survey wird vom Deutschen Lotto- und Totoblock finanziert; die Verwertungsrechte liegen bei den Instituten. Für die 2,2 % nennen die Autoren ein Konfidenzintervall von 1,9 bis 2,5 %.
Gestapelter Balken aus dem Glücksspiel-Survey 2025: 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen mit Störung, davon 0,9 % leicht, 0,6 % mittel, 0,6 % schwer, dazu 5,5 % riskantes Spielen.
Riskantes Spielen (5,5 %) und glücksspielbezogene Störung (2,2 %) bei den 18- bis 70-Jährigen, Glücksspiel-Survey 2025

2,2 % klingt nach wenig. Bei der Größe dieser Altersgruppe steht dahinter aber eine sehr große Zahl von Menschen, und hinter jedem von ihnen Angehörige, Kolleginnen und Freunde, die die Folgen mittragen.

Welche Spiele das höchste Risiko tragen

Der Survey zeigt außerdem, wie hoch der Anteil der Menschen mit einer Störung unter den Spielerinnen und Spielern einzelner Spielformen ist. Die Unterschiede sind groß. Lotto-Spielende tauchen in der Spitzengruppe nicht auf; schnelle Spiele mit sofortigem Ergebnis dagegen schon.

Balkendiagramm zum Anteil mit Störung unter Spielenden: virtuelle Automatenspiele 32,5 %, Automaten in Spielbanken 28,1 %, Live-Sportwetten 27,0 %, Geldspielautomaten 23,4 %.
Anteil der Menschen mit glücksspielbezogener Störung unter den Spielenden einzelner Spielformen, Glücksspiel-Survey 2025
Spielform (Teilnahme in den letzten 12 Monaten)Anteil mit glücksspielbezogener Störung
Virtuelle Automatenspiele (online)32,5 %
Glücksspielautomaten in Spielbanken28,1 %
Live-Sportwetten27,0 %
Geldspielautomaten (Spielhallen, Gaststätten)23,4 %

Wichtig beim Lesen: Die Zahlen sagen nicht, dass ein Drittel aller Automatenspieler süchtig wird. Sie sagen, dass unter den Menschen, die zuletzt online an Automaten gespielt haben, fast jeder Dritte die Kriterien einer Störung erfüllt. Ein Grund dafür ist die Spielgeschwindigkeit: Ein Automatenspiel dauert Sekunden, Gewinn und Verlust folgen dicht aufeinander, und es gibt kaum natürliche Pausen.

Die neun Anzeichen, nach denen Fachleute fragen

Das DSM-5 beschreibt neun Kriterien für eine glücksspielbezogene Störung. Treffen innerhalb von zwölf Monaten vier oder mehr zu, sprechen Fachleute von einer Störung; bei vier bis fünf von einer leichten, bei sechs bis sieben von einer mittleren und bei acht bis neun von einer schweren. Sinngemäß wiedergegeben:

  1. Um die gleiche Spannung zu spüren, werden die Einsätze immer höher.
  2. Beim Versuch, weniger zu spielen oder aufzuhören, entstehen Unruhe oder Gereiztheit.
  3. Wiederholte Versuche, das Spielen zu kontrollieren oder aufzugeben, scheitern.
  4. Die Gedanken kreisen häufig ums Spielen: an vergangene Spiele, an das nächste, an Wege, Geld dafür zu beschaffen.
  5. Gespielt wird oft dann, wenn es einem schlecht geht, etwa bei Stress, Schuldgefühlen oder Niedergeschlagenheit.
  6. Nach einem Verlust wird bald weitergespielt, um das Geld zurückzugewinnen.
  7. Das Ausmaß des Spielens wird vor anderen verheimlicht oder heruntergespielt.
  8. Eine wichtige Beziehung, der Arbeitsplatz oder die Ausbildung werden durch das Spielen gefährdet oder gehen verloren.
  9. Andere müssen mit Geld aushelfen, weil das Spielen die eigenen Finanzen in eine Notlage gebracht hat.

Die Liste ersetzt keine Diagnose. Sie kann aber helfen, das eigene Verhalten ehrlicher einzuordnen, und sie gibt einem Gespräch mit einer Beratungsstelle eine Richtung.

Wo Sie Hilfe bekommen

Hilfe bei Glücksspielproblemen ist in Deutschland kostenlos, und für den ersten Schritt reicht ein Anruf oder eine Nachricht. Niemand muss dafür "wirklich süchtig" sein; Beratungsstellen sprechen auch mit Menschen, die nur unsicher sind.

AngebotWas es istErreichbarkeit
BIÖG-Telefonberatung zur GlücksspielsuchtTelefonberatung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (früher BZgA), kostenfrei0800 1 37 27 00
check-dein-spiel.deOnline-Angebot der BIÖG zum Thema Glücksspielrund um die Uhr
Suchtberatungsstellen vor Ortpersönliche Beratung, oft auch für Angehörige, meist kostenlosüber Kommune, Caritas, Diakonie oder Landesfachstellen
Hausarztpraxis, PsychotherapieAbklärung, Behandlung, Überweisung in spezialisierte Angeboteregulär über die Krankenversicherung
In Österreich: Spielsuchthilfekostenfrei, vertraulich, auf Wunsch anonym, österreichweit01 544 13 57

Die Telefonberatung der BIÖG ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besetzt. Wer Schulden durch das Spielen hat, sollte zusätzlich eine Schuldnerberatung einbeziehen; je früher, desto mehr Möglichkeiten gibt es.

Sperre und Limits als Werkzeug

Neben Beratung gibt es drei technische Hilfen, die jeder selbst nutzen kann. Die wirksamste ist die Selbstsperre im Sperrsystem OASIS: Sie gilt bei allen in Deutschland erlaubten Anbietern gleichzeitig, von der Spielhalle bis zum Online-Automatenspiel. Die Mindestdauer ist ein Jahr, auf Wunsch aber auch nur drei Monate, und die Sperre endet erst, wenn man sie schriftlich aufheben lässt. Wie das im Einzelnen abläuft, erklären wir auf der Seite OASIS-Sperre aufheben.

  • Panik-Button: Jedes erlaubte Online-Angebot muss eine deutlich sichtbare Schaltfläche zeigen, die sofort und ohne Rückfrage eine Sperre für 24 Stunden auslöst.
  • Einzahlungslimit: Bei legalen Online-Anbietern gilt ein monatliches Limit über alle Anbieter zusammen, in der Regel höchstens 1.000 Euro. Senken wirkt sofort, erhöhen erst nach sieben Tagen.
  • Zahlungswege schließen: Fragen Sie Ihre Bank, ob sie Zahlungen an Glücksspielanbieter für Ihr Konto oder Ihre Karte sperren kann.

Eine Grenze haben alle diese Werkzeuge: Sie wirken nur bei Anbietern mit deutscher Erlaubnis. Anbieter ohne Erlaubnis fragen OASIS nicht ab, kennen kein anbieterübergreifendes Limit und unterliegen keiner deutschen Aufsicht.

Säulendiagramm aus dem Glücksspiel-Survey 2025: glücksspielbezogene Störung bei Männern 3,2 %, bei Frauen 1,1 % und bei allen 18- bis 70-Jährigen 2,2 %.
Glücksspielbezogene Störung bei Männern (3,2 %) und Frauen (1,1 %), Glücksspiel-Survey 2025

Für Angehörige

Angehörige merken oft früher als die Betroffenen, dass etwas nicht stimmt: Geld fehlt, Ausreden häufen sich, die Stimmung schwankt mit Gewinnen und Verlusten. Drei Dinge helfen fast immer. Erstens das Gespräch ohne Vorwurf, mit konkreten Beobachtungen statt Urteilen. Zweitens die eigene Entlastung: Auch Angehörige können sich an Suchtberatungsstellen wenden, unabhängig davon, ob der betroffene Mensch mitkommt. Drittens klare Grenzen beim Geld, zum Beispiel keine Schulden mehr zu übernehmen.

In Deutschland gibt es außerdem die Fremdsperre. Angehörige wie Verwandte oder Lebenspartner können beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragen, dass eine Person in OASIS gesperrt wird. Voraussetzung sind Erkenntnisse, dass die Person spielsuchtgefährdet oder überschuldet ist, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt oder Einsätze riskiert, die in keinem Verhältnis zu Einkommen oder Vermögen stehen. Die betroffene Person wird vorher angehört, und eine Fremdsperre gilt mindestens ein Jahr.

Häufige Fragen

Ab wann ist man spielsüchtig?
Fachleute sprechen von einer glücksspielbezogenen Störung, wenn innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier der neun DSM-5-Kriterien zutreffen, etwa steigende Einsätze, Verluste zurückholen wollen oder Verheimlichen. Eine Diagnose stellt aber nur eine Fachperson.
Wie viele Menschen in Deutschland sind spielsüchtig?
Laut Glücksspiel-Survey 2025 haben 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen eine glücksspielbezogene Störung, weitere 5,5 % zeigen riskantes Spielverhalten. Männer sind mit 3,2 % deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 1,1 %.
Kostet die Beratung bei Spielsucht etwas?
Nein. Die Telefonberatung der BIÖG unter 0800 1 37 27 00 ist kostenfrei, ebenso die meisten Suchtberatungsstellen. Eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung läuft regulär über die Krankenversicherung.
Kann ich einen Angehörigen sperren lassen?
Ja, mit einer Fremdsperre beim Regierungspräsidium Darmstadt, wenn Erkenntnisse vorliegen, dass die Person spielsuchtgefährdet oder überschuldet ist oder unverhältnismäßig hohe Einsätze riskiert. Die Person wird vorher angehört, und die Sperre gilt mindestens ein Jahr.
Was bewirkt eine OASIS-Selbstsperre?
Sie schließt Sie bei allen in Deutschland erlaubten Anbietern gleichzeitig vom Spiel aus, online wie in Spielhallen und Spielbanken. Die Mindestdauer ist ein Jahr oder auf Wunsch drei Monate, und die Sperre endet erst auf schriftlichen Antrag.
Was ist der Panik-Button?
Eine Schaltfläche, die jedes erlaubte Online-Angebot deutlich sichtbar zeigen muss. Ein Klick sperrt Sie sofort und ohne Rückfrage für 24 Stunden; danach endet die Sperre von selbst.

Informationen geprüft am 23. September 2026 (Glücksspiel-Survey 2025, BIÖG, Regierungspräsidium Darmstadt, GGL). Diese Seite ersetzt keine medizinische oder psychologische Beratung. In akuten Krisen erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und den Notruf unter 112.